Die lösungsfokussierte Arbeit wurde von der Schule von Milwakuee (Insoo Kim Berg, Steve de Shazer u.a.) als Kurzzeit-Intervention entwickelt. Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd haben diese Methode in die Systemischen Strukturaufstellungen integriert und damit eine Verbindung aus konstruktivistischem Ansatz (Lösungsfokussierte Arbeit) und phänomenologischer Arbeit (Aufstellungen) geschaffen.
Die lösungsfokussierte Arbeit geht davon aus, dass die Klienten über ausreichend Ressourcen verfügen, um ihre Probleme zu lösen. Auch hier, ähnlich wie bei der Aufstellungsarbeit sind Lösungen so zu verstehen, dass es nicht um eine, die „richtige“ Lösung geht, sondern um die Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten des Kunden. Probleme werden weder analysiert noch allzu umfangreich beschrieben. Es wird immer wieder danach gefragt, was anders sein wird, wenn die Lösung da ist. Ausnahmen, also Situationen, die bereits erfolgreich gelöst wurden werden untersucht und die damalige, erfolgreiche Vorgehensweise analysiert und in ein heutiges Handlungsrepertoire integriert. Durch die Konzentration auf Schritte und Veränderungen, die der Kunde selbst vornehmen kann wird dessen Eigeninitiative, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein gestärkt. Frei nach der Aussage Wittgensteins „ die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen“ gestaltet der Kunde, geleitet durch lösungsfokussierte Fragen des Facilitators, seine Lösungswelt durch lebhafte Beschreibung dessen was anders ist, wenn das Problem, wie durch eine Wunder gelöst ist. Problemzustände wirken wie Fixierungen, in denen es für die Kunden schwer ist „nach rechts und links“ zu schauen. Diese Blickwinkeleinschränkung wird durch die Einladung in eine Lösungswelt aufgelöst. Oft liegen die Lösungsansätze erstaunlich nahe und sind einfacher als gedacht.
In den Management Constellations und den systemischen Strukturaufstellungen wird das lösungsfokussierte Interview vor allem zur Auftragsklärung eingesetzt. Dabei erarbeiteten die Kunden Lösungsvorstellungen und Kontexte der Lösung anhand der Fragen:
- was wäre anders;
- woran würden sie das merken;
- wer würde davon betroffen sein;
- was würde er/sie merken;
- wie würde/n er/sie reagieren;
- wie würden sie auf die Reaktion von X oder Y reagieren; usw.
Die Antworten auf diese Fragen enthalten Hinweise auf Elemente eines Systems, die es zu berücksichtigen gilt oder deren Relevanz zu prüfen ist.
Das lösungsfokussierte Interview ist außerdem eine sanfte Hinführung auf das vielleicht noch ungewohnte Instrument der Aufstellung. Die Fragestellungen erfordern bereits viel Vorstellungskraft und Fantasie, und auch ein genaues Nachspüren, ob die imaginierte Lösungssituation wirklich die Gewünschte ist. Die Wahrnehmung der eigenen Reaktionen auf die unterschiedlichen Welten - vor und nach dem Wunder - bereitet die Teilnehmer auf ihre Aufgabe als Repräsentanten vor. Darüber hinaus dient der Einsatz der lösungsfokussierten Arbeit auch der Nachhaltigkeit der Erfahrungen, denn die Lösung wird einmal im Interview und dann ein zweites Mal, wenn auch in einer anderen Performance, in der Konstellation erlebt.
